Blind vor Liebe: Die Welt durch die rosarote Brille sehen

Wir alle kennen das, entweder aus der frischen Beziehung oder weil es uns jemand angetan hat: Die Rede ist von der rosaroten Brille, also einem Zustand bei dem wir die meisten negativen Seiten eines Menschen ausblenden und nur das positive in ihr oder ihm sehen.

Reichen der Natur Schmetterlinge im Bauch und dieses unbeschreibliche Kribbeln nicht aus, sondern macht sie uns auch blind vor Liebe? Eine Studie an der Universität Groningen kam genau zu diesem Ergebnis. Insgesamt wurden 70 Paare untersucht, wobei die eigene Attraktivität und die der Liebsten oder des Liebsten abgefragt wurden. Die Ergebnisse sind eindeutig, die Individuen schätzten sich gegenseitig attraktiver ein und projizierten dies auch auf die Selbsteinschätzung. Interessant ist, dass Fotos bei der Attraktivitätsbewertung die positiven Illusionen einschränken könne. Anders gesagt, können Fotos unter Umständen unser verklärtes Bild stören oder auch wieder realer machen.

Wenn die Körper-Chemie verrücktspielt

Das Ziel dieser positiven Illusionen hängen stark mit der allgemeinen Beziehungszufriedenheit zusammen, denn je positiver wir einen Menschen sehen, umso glücklicher kann eine Beziehung mit ihm sein. In einer Studie im „Journal of Sexual Medicine“ wurde herausgefunden, dass wir beim bloßen Ansehen einer Person schon in eine Euphorie fallen können. An diesem Prozess sind gleich zwölf Areale in unserem Gehirn involviert, vor allem das Lustzentrum. Verschiedene Chemikalien werden in Bruchteilen von Sekunden ausgeschüttet, verpassen uns die rosarote Brille und somit den romantisierenden Blick. Liebe auf den ersten Blick sollte also möglich sein :-)

Herzensangelegenheiten sind auch nur Kopfsache

Romantiker werden jetzt enttäuscht sein, denn Liebe spielt sich nicht im Herzen ab, sondern im Gehirn. Verschiedene Hormone – wie Dopamin, Serotonin, Neurotrophin und Testosteron – sind dort für die Liebe, Beziehungen und unsere Gefühle verantwortlich. Eine besondere Rolle nimmt das Hormon Oxytocin ein, welches im Volksmund auch als „Kuschelhormon“ geläufig ist. Oxytocin ist nicht nur von wichtiger Bedeutung beim Geburtsprozess oder beim Verhalten zwischen Mutter, Kind, Geschlechtspartnern und überhaupt bei sozialen Interkationen, sondern es lässt uns die Welt auch optimistischer sehen.

An der Beijing Normal University hat man die Rolle von Oxytocin in der Liebe weiter erforscht. Der einen Hälfte der 300 Testpersonen wurde Oxytocin verabreicht, die anderen bekamen lediglich ein Placebo. In der Folge mussten 40 negative Lebenserfahrungen beurteilt werden. Im zweiten Teil der Versuchsreihe wurde den Testpersonen gesagt, wie häufig diese Ereignisse durchschnittlich bei anderen Personen auftreten und wieder um Feedback gebeten. Letztendlich hat sich gezeigt, dass Menschen unter Oxytocin-Einfluss viel positiver und optimistischer antworteten. Das ist nicht verwunderlich, denn unsere Gehirnaktivität ähnelt bei der Liebe dem Konsum von Drogen.

Nichts für die Ewigkeit

Obwohl unsere Gefühlswelt noch nicht völlig erforscht ist, ist es wahrscheinlich, dass der Effekt der rosaroten Brille nicht ewig anhält. Wer als Paar aber Lebenseinstellungen und Ansichten teilt, hat auch nach der ersten und intensivsten Phase der Liebe eine Chance glücklich zu sein. Egal ob in guten oder in schlechten Zeiten, unsere Expertinnen und Experten stehen dir mit Rat zur Seite.