Prüfungsangst als Teufelskreis

Studierende sind nicht nur stark armutsgefährdet, fühlen sich von der Politik und der Gesellschaft oft alleine gelassen, sondern haben auch mit Existenz- bzw. Zukunftsängsten zu kämpfen. Häufig tritt diese Mehrfachbelastung in Form von Prüfungsangst oder einem Blackout an die Oberfläche.

Jede oder jeder hat schon einmal eine unliebsame Prüfung vor sich hergeschoben, bei Denkblockaden während der Klausur oder auch bereits bei einer massiven Beeinträchtigung beim Lernen neigen wir noch mehr zu diesem Verhalten. Der Stress und die Dauerbelastung können uns derart zusetzen, dass sie auch zu Nervosität, Müdigkeit, Essstörungen, Herzrasen, Magen- und Darmproblemen führen.

Warum habe ich Prüfungsangst?

Wer Prüfungen nicht schafft ist nicht automatisch dumm. Es gibt durchaus begründete Ängste die zum Versagen bei Prüfungen führen können. Beispielsweise intransparente Anforderungen, sogenannte Knock-out Tests, schlechte Vorbereitung (zum Teil auf Grund von Zeitknappheit) oder aber auch nur unfähige oder unberechenbare Lehrkräfte.

Natürlich spielt auch das Unterbewusstsein eine Rolle bei Prüfungsängsten. Egal ob bereits früher entstandene Ängste, unbewältigte Konflikte oder Probleme mit dem Selbstwertgefühl – die Ursachen sind vielfältig. Oft leidet unsere Psyche während der Universität, wir sind weder Kinder noch „fertige“ Erwachsene. Als Studentin oder Student unterwirft man sich der Autorität der Uni. Es ist auch ein Kampf gegen Stigmatisierung der Gesellschaft, die Gedanken zu versagen oder nichts zu wissen sind allgegenwärtig, hinzu kommt die Angst vor Bestrafung. Oft ist es keine direkte Bestrafung, sondern wiederum die Angst mehr lernen zu müssen, soziale Kontakte und die Freizeit einzuschränken.

Auch Angst vor Kränkung spielt eine große Rolle, denn niemand möchte sich vor Freunden, Familie oder Kommilitonen blamiert fühlen. Außerdem fehlt – anders als in der Schule oder auf der Fachhochschule – direktes Feedback oder eine bestätigende Anerkennung. Eine Note ist oft die einzige Rückmeldung. Fehlende Selbstsicherheit kann paradoxerweise auch zu überhöhten Selbstansprüchen führen – ein Teufelskreis.

Obwohl es keine konkreten Zahlen gibt, ist es durchaus vorstellbar, dass Studierende aus nicht akademischen Familien eher mit solchen Problemen zu kämpfen haben als jene aus Bildungsschichten.

Der universitäre Alltag mutet zum Teil auch aggressiv und roh an. Besonders bei mündlichen Prüfungen kann es zu einer Abwehrhaltung kommen, da die Situation als Kampf mit der Prüfungskommission gesehen wird und auch den enormen Druck bei Abschlussprüfungen sollte nicht unterschätzt werden. Was kommt nach dem Abschluss? Was wird aus mir? Werde ich einen Job finden? Alles Fragen die uns sehr belasten können.

Wie gehe ich am besten mit meiner Prüfungsangst um?

Es gibt keinen einzigen richtigen Weg, wichtig ist sich über die individuelle Situation und die Ursachen bewusst zu sein. Hier einige wertvolle Tipps:

  1. Lerntechnik und Freizeit
    Lernen ist für jede Prüfung unumgänglich, aber je nach Prüfung sollten andere Techniken zum Einsatz kommen. Für eine Diplomprüfung sollte man anders lernen als für eine „normale“ Klausur, einen mündlichen oder einem Multiple-choice Test. Intensives lernen ist wichtig, aber während man sich ich in der Fachliteratur verliert sollte nicht auf Pausen und eine ausgleichende Freizeitgestaltung vergessen werden.
  2. Der Blick auf das Reale
    Es ist wichtig sich bereits vorab über die Prüfungsmodalitäten, die Form und den Stoff des Testes zu informieren um sich ein realistisches Bild davon zu machen. Weder die besten noch die schlechtesten Fantasien führen zum Erfolg, sondern konkrete Fakten. Die Universitäten bieten meist genug Informationen an und in vielen Studienrichtungen organisieren sich die Studierenden selbstständig in Foren oder Gruppen auf Facebook. Achtung: Nicht alle Informationen sind hilfreich, vor allem in den sozialen Medien gibt niemand eine Garantie auf Richtigkeit.
  3. Die Prüfungsangst nutzen
    Stress kann uns zu passiven Akteuren machen, aber er kann auch für Höchstleistungen genutzt werden. Eine frühe Auseinandersetzung mit der Angst vor dem Versagen kann in die richtigen Bahnen gelenkt werden und motivieren.
  4. Konsequenzen richtig abschätzen
    Oft macht man sich die Welt schlechter als sie ist. Eine Laissez-faire Attitüde kann antrainiert werden, da die Konsequenzen meist nicht existenzbedrohend sind. Es kommt wie es kommt, mit ein bisschen Gelassenheit ist der Kopf für den eigentlichen Stoff frei.
  5. Mentales Training und Rollenspiele
    Es hilft, wenn du dich an einen ruhigen Ort zurückziehst und dir die Prüfungssituation, also den Raum, die Prüfenden, den Stoff usw. vor deinem geistigen Auge vorstellst. Konfrontation kann bei vielen Ängsten helfen. Auch eine Art Rollenspiel mit Kolleginnen und Kollegen kann hilfreich sein, in einer Lerngruppe sind die Beteiligten meistens offen für Abwechslung zum trockenen lernen.
  6. Akute Angst bewältigen
    Auch wenn du all diese Ratschläge verinnerlichst, kann die bei der Prüfung die Angst überwältigen. Versuche Strategien dagegen zu entwickeln. Versuche bei Schweißausbrüchen und Herzrasen dich wieder zu konzentrieren und atme tief durch. Wenn du eine Frage nicht beantworten kannst, verliere keine wertvolle Zeit, denk nicht mehr an sie und beantworte einfach die nächste Frage.
  7. Die Ängste verstehen und darüber sprechen
    Es ist nie eine gute Idee sich mit Problemen und Ängsten zu verkriechen. Suche aktiv das Gespräch, rede mit vertrauten Personen oder Kolleginnen und Kollegen darüber – vielleicht geht es ihnen ähnlich? Unsere Expertinnen und Experten haben ebenfalls ein offenes Ohr für dich, außerdem gibt es auch eine psychologische Studierendenberatung des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.