Wie Teams von Bands profitieren: Rhythmus, Sound und Atmosphäre

Erfolgreiche Bands auf der Bühne begeistern das Publikum. Auch nach dem Auftritt bleibt die Musik und die Stimmung auf dem Heimweg hängen.

In diesem Artikel möchte ich Ihnen 5 konkrete Übungen aus Bandworkshops und deren Übertragbarkeit für Projektmanager, Führungskräfte und Teams in Unternehmen und Konzernen vorstellen. Die Intention der Übungen ist eine Verbesserung der Teamzusammenarbeit. Eine optimierte Teamatmosphäre hat das Ziel positive Auswirkungen und Begeisterung bei Ihren Kunden zu erreichen.

  1. Mehr Rhythmus durch zuhören
  2. Mehr Rhythmus durch die Stille am Anfang
  3. Eine bessere Atmosphäre durch eine klar kommunizierte Struktur als Basis für die Improvisation
  4. Eine bessere Atmosphäre – die klare Intention – was soll beim Zuhörer ankommen
  5. Der wirkungsvolle Sound – aushalten der Blue Note – der lösungsorientierte Umgang mit Konflikten

1. Mehr Rhythmus durch zuhören

Die Bandübung: Mitten in einer Probe, alle spielen auf sich selber fokussiert ohne auf die anderen zu achten. Der Bandcoach unterbricht und fordert auf, bewusst auf die anderen Bandmusiker zu hören. Ziel hierbei ist es, dass der Bandcoach jederzeit unterbrechen kann und jeder Musiker die gerade gespielte Melodie, den Akkord oder den Rhythmus jedes anderen nach summt oder spielt, sei es der Bassist, der Schlagzeuger, der Sänger, der Pianist oder der Saxophonist. Erneut losgelegt ist die Veränderung spürbar und hörbar durch einen mit Rhythmus und Klang gefüllten Raum. Alleine durch das achtsame Zuhören neben dem Fokus auf das eigene Instrument ist ein Band Groove deutlich erlebbar.

Die Teamübung: Der Moderator fordert mit der oben genannten Bandübung die Teilnehmer in seinem nächsten Meeting zum achtsamen Zuhören auf. Das Ziel dieser Übung besteht darin, das alle Teilnehmen zu jedem Zeitpunkt in der Lage sind, die Rede des Vorredners wiederholen zu können. Der Moderator unterbricht das Meeting und fordert einige der Teilnehmer auf das gerade Gehörte zu wiederholen. Die Wirkung dieser Übung dient der erhöhten Aufmerksamkeit, einer verbesserten Kommunikation sowie einer effektiven Zusammenarbeit.

2. Mehr Rhythmus durch die Stille am Anfang

Die Bandübung: Bei einer anderen Übung geht es darum, vor dem nächsten Song bewusst still zu sein. Der Effekt nach der Stille besteht in einer geschärften Achtsamkeit auf die anderen Bandmusiker und eines wahrnehmbaren, verbesserten, synchronen Rhythmus vom ersten bis zum letzten Takt.

Die Teamübung: Diese kurze Übung von circa 2 Minuten ist für den Beginn von Projektmeetings leicht übertragbar. Der Start besteht aus den einleitenden Fragen, was jedem Teilnehmer für dieses Meeting wichtig ist und was er für das Meetingziel konkret beitragen will. Darauf folgt eine bewusst eingehaltene Stille. Diese Augenblicke mit dem Fokus auf die Meetingergebnisse dienen der Stärkung der effektiven, lösungsorientierten Kommunikation während des Meetings.

3. Eine bessere Atmosphäre durch eine klar kommunizierte Struktur

Die Bandübung: Zur Entwicklung jedes Songs gehört die Festlegung auf eine reproduzierbare Struktur. Es geht um die Aufteilung der Strophen, des Refrains und der Bridge. Wer, wann, wie lange und über welchen Part seine Soli hat, ob es wechselnde Soli mit dem Schlagzeuger gibt und über welche Anzahl von Takten. Wenn der Rahmen klar festgelegt ist, gibt das den Bandsolisten die Basis für den Freiraum der Improvisation. Je stärker die Rhythmusinstrumente übereinstimmen, desto leichter fällt dem Melodieinstrument die Improvisation und desto mehr Begeisterung kommt beim Publikum an.

Die Teamübung: Die synchrone Strukturübung für Teams ist eine vorab kommunizierte, klar strukturierte Agenda für Meetings und Workshops, inklusive eines Zeit- und Redner Plans. Die Struktur besteht optimalerweise aus einer Einleitung mit der Kommunikation, der Intention des Treffens und Vorstellung der Agenda. Danach folgt der Hauptteil, bestehend aus den Themen, die in der Runde entschieden, gelöst oder wesentliche Schritte zum Ziel voran gebracht werden sollen und den dazugehörigen Fachinformationen und den Redner Beiträgen. Die Abschlussrunde besteht aus einer Zusammenfassung und dem Rückblick auf die Intention des Meetings. Im Rückblick betrachtet der Moderator ob die Intention und Ziele erreicht wurden und ob die nächsten Schritte klar sind. Zuletzt folgt eine FeedForward Runde zur kontinuierlichen Verbesserung der Zusammenarbeit. Diese besteht aus dem Austausch von dem, was jeder konkret aus dem Meeting mitnimmt sowie aus den Vorschlägen zur Verbesserung zukünftiger Meetings. Diese Übung stärkt die effektive Nutzung von Zeit und Ressourcen der Meetings und Workshops.

4. Eine bessere Atmosphäre – die klare Intention

Die Bandübung: Bei den Soli, der Improvisation spielt der gemeinsame Rhythmus eine Rolle, das Zuhören, die volle Aufmerksamkeit der Band auf den Solisten. Der Solist profitiert von der Erfahrung mit seinem Instrument und davon, das er sich seiner Intention im klaren ist, das er weiß was er beim Zuhörer rüber bringen möchte.

Zur Vorbereitung der Bandproben und des Auftritts hilft zur musikalischen Weiterentwicklung das Anhören und Analysieren von Aufnahmen und die Umsetzung konkreter, wertvoller Rückmeldungen aus dem Publikum. Es geht beim Einbinden von Feedback darum, die Improvisation in Zukunft noch klarer zu gestalten mit dem Ziel bei den Zuhörern Begeisterung hervorzurufen.

Ein weiterer Schritt der Vorbereitung ist es andere Musiker und Vorbilder anzuhören zu schauen was konkret begeistert um dann im nächsten Schritt diese Beobachtungen in das eigene Soli und passend zur eigenen Stil einfließen zu lassen. Die Kombination aus Beobachtung und Ausprobieren unterstützt die kontinuierliche Weiterentwicklung des eigenen Improvisationsstiles.

Die Teamübung: Die Zeit der Vorbereitung von Meetings und Workshops zur Klärung der Intention zahlt sich erfahrungsgemäß aus.

Zur Intention Übung braucht man circa 5 Minuten in einem ungestörten Umfeld. Es gilt darum im ersten Schritt Antworten auf die folgenden Fragen zu notieren: Was ist Ihnen für Ihr nächstes Meeting, Ihre nächste Präsentation am wichtigsten? Wie passt das in den Rahmen der langfristigen Unternehmensstrategien, den Jahres und Quartalszielen sowie zu den bestehenden Prioritäten? Was genau soll am Ende Ihres Workshops, Ihrer Rede anders sein als vorher und mit welchem Effekt? Was soll in den Köpfen Ihres Teams ganz klar sein, wenn sie den Raum verlassen und was wollen Sie damit erreichen? Der zweite Schritt der Übung besteht darin diese Intention kurz und verständlich in die Einführung des Meetings einzuplanen.

Zur Nachbereitung eines Meetings und dem Ziel der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Führungskräftefähigkeiten gehört der dritte Schritt: Das Anhören und Analysieren von Aufnahmen, sowie dem Umsetzen von konkreten Rückmeldungen der Teilnehmer. Hier geht es darum in Zukunft die Intention noch klarer zu gestalten, mehr Präsenz in der Stimme und in der Körperhaltung zu zeigen und dadurch das eigene Team zu mehr Pro-Aktivität und Lösungsorientierung zu bewegen und die Kunden zu begeistern.

Ein weiterer Schritt zur kontinuierlichen Weiterentwicklung besteht darin, Führungskräftevorbilder, Redner und Moderatoren genau zu beobachten und Verhaltensweisen, die Sie selber als sinnvoll erachten in Ihren Stil, in Ihre Reden einfließen zu lassen. Die Kombination aus Beobachtung und Ausprobieren unterstützt die kontinuierliche Weiterentwicklung Ihres eigener, authentischen Führungsstils.

5. Der wirkungsvolle Sound – aushalten der Blue Note – der lösungsorientierte Umgang mit Konflikten

Die Bandübung: Eine Band besteht aus unterschiedlichen Musikern. Dem Sänger und Frontmann, der das Scheinwerferlicht und den Applaus schätzt. Der Bassist, der sich eher im Hintergrund aufhält und mit dem Schlagzeuger den Rhythmus einbringt. Der Pianist und die Soloinstrumente präsentieren abwechselnd Ihr Können. Während der Proben oder Auftritte entstehen Dissonanzen, Akkorde die sich schräg anhören und die nach einer harmonischen Auflösung drängen. Auslöser der Dissonanzen im Jazz ist die Blue Note, die nicht im Einklang mit den anderen Akkordtönen steht. Damit der Jazzakkord den Raum füllen kann und wahrgenommen wird, spielen Musiker die Blue Note mit voller Präsenz. Erst dann können sich die Zuhörer und die Band auf den Akkordklang einlassen und gespannt der daraus entwickelnden Improvisation lauschen.

Die stabile Basis einer Bandentwicklung besteht darin, das jeder Musiker der Band mit seinem Können und mit seinen Ideen Songs mitentwickeln möchte und alles dazu beiträgt um gut beim Publikum anzukommen und Applaus zu ernten.

Die Teamübung: Ähnlich wie in der Band, treffen in Teams Unterschiede in der Ausbildung, der Kultur, dem Alter, Stärken, Werten, Motivationsfaktoren und gewünschter Art der Anerkennung, zusammen. Der eine ist ähnlich dem Frontsänger auf der Suche nach Applaus. Der andere benötigt die Möglichkeit einer Präsentation vor einem großen Publikum oder arbeitet lieber im Hintergrund. Es reicht ihm dem Team einen Mehrwert einzubringen.

Einigen Kollegen sind klare erreichbare Ziele wichtig und anderen reicht eine lockere, lösungsorientierte Zusammenarbeit zur Motivation vollkommen aus. Diese Unterschiede können zu Konflikten führen oder Unstimmigkeiten verstärken. In dieser Übung geht es um einen optimalen Umgang mit Unstimmigkeiten. Im ersten Schritt gilt es einen bestehenden Konflikt auszuhalten, stehen zu lassen und aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Das bedeutet zum einen die Konfliktursachen und unterschiedlichen Sichtweisen genau unter die Lupe zu nehmen, solange bis ein klares Bild entsteht und alle Fragen geklärt sind. Zum anderen aus weiter Entfernung mit einer emotionalen Distanz und einer wertfreien Sicht z. B. aus einer Bergperspektive auf die Situation zu schauen. Sobald der Konflikt klar sichtbar ist, geht es im zweiten Schritt um Ideen zur Auflösung zur Verbesserung der Zusammenarbeit.

Das feste Fundament der Teamentwicklung liegt darin, das jeder im Team sein möglichstes gibt, um zum Erfolg beizutragen und Wert darauf legt, das der eigene Beitrag gesehen und geschätzt wird.

Ich hoffe mein Artikel hat Sie inspiriert und wünsche Ihnen und Ihrem Team einen synchronen Rhythmus, einen umwerfenden Sound und eine begeisternde Atmosphäre.

Über die Autorin

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Iris Clermont
53, Kranzberg, Deutschland
Stress, Entscheidungen, Konflikt, Bewerbung, Karriereentwicklung, Mitarbeiterführung, Motivation, Kommunikation, Zeitmanagement, Präsentation
Auf Basis von 25 Jahren Erfahrung in 20 Ländern, der Arbeit mit internationalen Teams und Organisationen sowie als Expertin für Telekommunikationskompetenz biete ich Ihnen Coaching und Consulting-Programme für Ihre Führungskräfte, Projektmanager und -teams. Um Ihren Mitarbeiter in einem… (mehr lesen)
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