Zivilisationskrankheit Stress: Alles nur belastend

Stress zu Weihnachten war zuletzt bereits Thema im Blog – heute sollen Ursachen, Wirkung und Arten von Stress ganz allgemein betrachtet werden.

Der österreichisch-kanadische Wissenschaftler Hans Syles gilt als Pionioer der Stressforschung und ist auch heute noch einer der meist zitierten Menschen zum Thema Stress. 1939 veröffentlichte er die erste Arbeit, es folgten weitere 39 Bücher und mehr als 1700 Arbeiten mit dem Thema Stress und dem Allgemeinen Adaptionssyndrom (Reaktion des Körpers auf lange Stressperioden).

„Ich habe allen Sprachen ein neues Wort geschenkt – Stress.“
Hans Selye (1907 – 1982)

Stress ist nicht nur negativ, vielmehr half er unseren Vorfahren zu überleben, Hans Selye prägte die Begriffe Eustress für positiven und Distress für negativen Stress. Heute weiß man, dass es nur eine Art von Stress gibt, ob diese als gut oder schlecht empfunden wird hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bedeutend sind die Länge, die Intensität und vor allem die Situation des Stresses. Ist eine betroffene Person der Meinung, dass sie eine Aufgabe nicht bewältigen kann, tendiert sie zu einem negativen Empfinden. Eine – zugegeben nicht für alle Personen – positive Stresssituation ist zum Breispiel eine Fahr mit der Achterbahn. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Stress eine Reaktion auf etwas Bedrohliches ist und immer von einer körperlichen Reaktion begleitet wird.

Verursacher, Verstärker und Dämpfer von Stress

Stress kann die unterschiedlichsten Gründe haben, folgende Verursacher oder Stressoren gibt es:

  • Einschneidende Erlebnisse (life events): Trennung, Tod eines geliebten Menschen, Jobverlust, Opfer eines Verbrechens sein, Heirat, Geburt eines Kindes, etc.
  • Alltägliches / daily hassles: kleineren Unannehmlichkeiten und Ärgernisse im Alltag können in Summe auch zu einer starken Belastung für Körper und Geist werden
  • Private Probleme: hier sind vor allem finanzielle Probleme, Streitigkeiten mit Familie und Freunden gemeint
  • Berufliche Probleme: ungeregelte Arbeitszeiten, Mobbing, Leistungsdruck, Über- bzw. Unterforderung
  • Versagens und Existenzängste
  • Umwelteinflüsse: beispielsweise Belastung durch Lärm und Licht
  • Körperliche Probleme: chronische, schwere Erkrankungen oder Übergewicht

Stress ist aber nicht nur passiv und hängt von den genannten Faktoren ab, sondern auch wir als Menschen nehmen aktiv Einfluss darauf. Die Stressforschung misst der wechselseitigen Beeinflussung von Anforderung und verfügbaren Ressourcen eine große Bedeutung zu. Einfach gesagt: Jede Person bringt unterschiedliche Ressourcen mit und bewertet Anforderungen – also auch die Stresssituation – anders. Wird eine Situation positiv bewertet, geht dies auch mit positiven Gefühlen einher (wir erinnern uns an die Achterbahnfahrt). Wird eine Situation aber als zu herausfordernd, zu verlustreich etc. bewertet, so kommt es unweigerlich zum Auftreten von negativen Gefühlen. Bei der Bewertung von Stress gibt es aber auch noch verstärkende und dämpfende Faktoren. Diese Vorgänge laufen unbewusst ab, da ein bewusster Vorgang zu zeitintensiv ist. Für unsere Vorfahren konnte dies über Leben oder Tod, Kampf oder Flucht entscheiden.

Stress ist subjektiv

Stress ist – wie bereits erwähnt – für jeden anders spürbar. Stressresistenz ist unter anderem auch genetisch bedingt und entwickelt sich bereits in der frühen Kindheit. Wir sind aber Stress nicht hilflos ausgeliefert, selbst die unterbewussten Vorgänge bei der Bewertung von Stresssituationen können zum Beispiel durch Entspannungsübungen beeinflusst werden. Zeitmanagement, bewusstes „Offline-sein“ und auch die Früherkennung von stressigen Situationen kann zu mehr Wohlbefinden führen. Soziale Kompetenzen und ein guter Gesundheitszustand können ebenso vor Stress schützen.